30.08.2010
25.000 Inselfahrer, 750 freiwillige Einsätze und ein Fest am See
von frank vinken
Jetzt ist es amtlich. Nun ja, sagen wir, so gut wie amtlich. 25.000 Kulturhauptstadt-Besucher sind mit den weißen Tretbooten auf die Ruhr-Atoll-Inseln gereist. Und wie sich das für eine ordentliche Besucherstrom-Erfassung gehört, werden besondere Zahlen auch besonders gewürdigt. Die 25.000. Besucherin heißt Anke Scharch, kommt aus Mülheim und freute sich über Glückwünsche und Geschenke.

Auf Jubiläums-Tour zum Ruhr-Atoll: Anke Scharch, Sohn Niklas aus Mülheim mit Ingrid Brandhorst von der Abteilung Bürgerschaftliches Engagement der RWE AG (vorn links) und Susanne Münch (Ruhr.2010 GmbH) dahinter.
Atoll-Kurator Norbert Bauer, Projektleiterin Susanne Münch und Ingrid Brandhorst (RWE) überreichten mit den Blumen ein signiertes "Buch 3" der Ruhr.2010 GmbH sowie die 380 Seiten dicke Dokumentation der RWE-Kulturhauptstadt-Projekte "Kultur elektrisiert" aus dem Klartext-Verlag.
Die 25.000 war in diesen Tagen allerdings nicht die einzige Superzahl des Ruhr-Atolls. Rund 20 feste freiwillige Helferinnen und Helfer feierten ihren 750. Einsatz auf den Inseln und im Besucherzentrum. Für die Volunteers mit den meisten Einsätzen gab's den großen Glückwunsch, vom Kurator persönlich beurkundet. Ausgezeichnet wurden unter anderem Marian Witte, Werner Klüßendorf, Marie-Luise Krebs und Hans-Henning Pietsch. Für alle Freiwilligen am See fasste Norbert Bauer seinen Dank in folgende klare Worte: "Ohne Sie und ihren Einsatz wäre das hier überhaupt nicht möglich gewesen." Am Ende, so ergänzte Bauer schmunzelnd, habe er sich sogar in die Farbe der Volunteer-Shirts verliebt. Der Vollständigkeit halber sei noch angemerkt, dass sich der Atoll-Volunteer mit der höchsten Einsatz-Zahl nicht öffentlich geehrt sehen mochte. Gleichwohl, Glückwunsch gegen Unbekannt auch von dieser Stelle. Das war ein Klasse Job.
Wer nun mitwirken möchte, die 30.000 vollzumachen, hat dafür bis zum 10. Oktober Gelegenheit. An diesem Sonntag feiern die Kunst-Inseln Finissage. Grob geplant sollen sie noch bis November auf dem See bleiben. Danach ist endgültig Schicht und es geht zurück in den Betriebshafen des Ruhrverbands am Haus Scheppen und in eine bis dato ungeklärte Zukunft. Tretboot-Tickets und Tarife gibt es hier.
Vielleicht wird's ja am kommenden Wochenende nochmal voll am Atoll. Die Stadt feiert vom 3. bis zum 5. September ESSEN.AM SEE. Ein richtig dickes Ding mit Geier Sturzflug, Seebühne, Feuerwerk, mit Weißer Flotte und allem Zipp und Zapp.

Der Kurator signiert "Kultur elektrisiert". Norbert Bauer, Susanne Münch.

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Applaus für die 25.000. Inselbesucherin . . .

. . . Anke Scharch, hier überrascht von Ruhr-Atoll-Sprecher Holger Krüssmann.

. . . und noch ein Volunteer-Treffen . . .

fürs offizielle Pressefoto vor dem Besucherzentrum. Fotos: Frank Vinken
05.07.2010
"Diese Insel ist besser als ihr Entwurf"
von frank vinken
Seit der Atoll-Eröffnung im Mai hatte sich Kurator Norbert Bauer intensiv um den Besuch des Künstlerpaares Ilya und Emilia Kabakov auf der Laboratoriumsinsel bemüht. Kurz vor dem Eintreffen der beiden Wahl-New Yorker tigerte Bauer wie ein Pennäler mit Prüfungsangst durch seine Atoll-Halle am Tor 2. Was werden sie sagen? Wie werden die beiden auf ihre Insel reagieren, wenn sie draufstehen? Unser Aufmacherbild zeigt, wie's ausgegangen ist. Alles gut. Die Kabakovs sind schlicht begeistert.

Norbert Bauer mit dem begeisterten Künstlerpaar vor dem Schöpfwerk. Dahinter die beiden Inselpaten Ilona Ahmann und Gunnar Helberg.
Und wenn sich "begeistert" steigern lässt, dann ist dies Ilya Kabakov mit seinem dicken Lob für die Arbeit des Ruhr-Atoll-Teams um Norbert Bauer gelungen. "Der Künstler schreibt die Noten, der Kurator ist der Dirigent", sagte er knappen bewegt-bewegenden Worten nach dem Signieren seiner Insel auf der Veranda des "Laboratoriums zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen": "Und das kommt ganz selten vor. Dieses Stück Kunst, diese Insel ist besser als ihr Entwurf." Eigentlich hätte man Bauleiter Nitsche und Produzent Mark Przybyla bitten müssen, eine extra Verstärkung in des Tragwerk des Kabakovschen Inselchens einzubauen nur für den Stein, der Norbert Bauer in diesem Augenblick vom Herzen gefallen ist.

Ilya Kabakov signiert . . .

. . . und lobt bewegt Atoll-Kurator Norbert Bauer und sein Team. Rechts Uwe Rüth vom Skulpturenmuseum in Marl.

Da hätte er am liebsten die ganze Welt umarmt: Norbert Bauer mit den Kabakovs.
Später beim Mittagessen auf der Seeterrasse des ETUF-Restaurants wird Ingrid Brandhorst von der Abteilung Bürgerschaftliches Engagement der RWE AG die Bühnenplastiker Michael Quadflieg und Sebastian - sebo - Ludwig vermissen. Ganz besonders Michael Quadflieg, der sich beim Bau des kabakovschen Zweifelswerks besonders intensiv in die Seele des berühmten Russen hineingelebt hat. Quadflieg, der während seiner Maschinenbauerei am rasselnden Eimerwerk immer den einsamen Wissenschaftler vor Augen hatte, der nichts hat und alles will. Das Wasser reinigen, sein kleines Stückchen Welt retten, ein besserer Mensch werden. Und wir alle sollen bessere Menschen werden, sagt Ilya Kabakov. Dies war ihm stets wichtiger, als das Streben nach besserer Technik. Wenn Du nichts hast, ist es egal, womit Du beginnst. Hauptsache, Du beginnst überhaupt.
Sämtliche Passagiere, Kuratorinnen, Jornalisten, RWE-Inselpaten und Pressesprecher haben die Signierfahrt mit den Kabakovs auf der alten Isenberg sehr genossen. Am Ende sogar noch mit Iceberg-Künstler Andreas Kaiser.
Wer mehr von Ilya und Emilia Kabakov sehen möchte, hat dazu nach wie vor im Palast der Projekte auf der Kokerei Zollverein, seit vergangener Woche aber auch im Marler Skulturenpark Gelegenheit. Dort übergaben Ilya und Emilia Kabakov am Freitag ihr eindringliches "Monument für einen Gefangenen" an die Stadt Marl.
Zum Schluss - wie immer - die Bilder vom Besuch der Kabkovs in Essen:

Bei der Pressekonferenz im Tor 2: Ilya Kabakov

Auf der Isenberg: Emilia Kabakova dokumentiert fürs Archiv
Ein kleiner Schritt für die Künstler, ein großer für das Kunstprojekt Ruhr-Atoll . . .

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Das Familienfoto: von links Dr.Gabriele Uelsberg, Direktorin des Landesmuseums Bonn, Ingrid Brandhorst (RWE AG), Inselpatin Ilona Ahmann, Dr. Uwe Rüth (Skulpturenmuseum Marl), Inselpate Gunnar Helberg, Ilya Kabakov, Markus Rüdel (Ruhrverband), Emilia Kabakova, Susanne Münch (Ruhr.2010 GmbH), Norbert Bauer, Andreas Kaiser ("Iceberg")

Ilya Kabakov im Gespräch mit Vytene Muschick . . .

. . . und beim Signieren des Kulturhauptstadt-Projektbuchs "Kultur elektrisiert", das gerade bei Klartext erschienen ist . . .

. . . Fotos: Frank Vinken
21.06.2010
Inselpaten auf Extraschicht
von frank vinken
Extraschicht? Ehrensache!. Da waren wir am Wochenende natürlich auch, zumal die RWE-Inselpaten ihren ersten großen öffentlichen Auftritt auf den Oberdecks der Weißen Flotte Baldeney mit Bravour bewältigten. Als fachkundige Fremdenfüher auf Extraschicht erzählten sie von der Geschichte und dem Sinn der vier Kunstinseln vor dem Wehr und was das alles mit Energie zu tun hat.

Inselpate Dr. Max Voß
Die erste Schicht mit Dr. Max Voß, Kathrin Schmelter, Ilona Ahmann und Claudia Schmies hatte gleich richtig gut zu tun. Lange Schlangen am Anleger Hügel füllten die ersten Ruhr-Atoll-Touren am Samstag bis auf den letzten Sitzplatz. Die Zeitung war da und das Fernsehen. Große Bilder vom großen Sommerfest der Kulturhauptstadt. Alle Fahrgäste hörten aufmerksam zu, stellten Hintergrundfragen und füllten die Chips ihrer Digitalkameras.

Ilona Ahmann, Kathrin Schmelter, Dr. Max Voß, Claudia Schmies mit NRZ-Bildredakteur Ulrich von Born

Ein Schiff wird kommen . . .

Helga und Adam leben am Bodensee, stammen aus Recklinghausen und sind jedes Jahr bei der Extraschicht im Ruhrgebiet.

Claudia Schmies auf der MS Steele . . .

. . . Kathrin Schmelter mit Fernsehteam . . .

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. . . und am Mikro.
Und dann war da noch der ganze große Rest der Extraschicht 2010. Eindrücke vom Sommerfest auf Zollverein . . .

. . . mit blauem Logo . . .

. . . einer Junggesellin mit Freundinnen auf pinker Abschiedstour (O-Ton: "In Rüttenscheid kann das doch jeder.") . . .

. . . mit mutiger Mode vom Maastrichter FASHIONCLASH, moderiert von Hella Sinnhuber in Halle 5 . . .

. . . mit heißen Konzerten vom hinreißenden Theater "Glisssssssssendo" auf Segways zwischen Fördergerüst und Ruhrmuseum.
Und dann war da auch noch eine kleine feine Projektion, die Folkwangstudent Steffen Müller dem Aquarius in Mülheim auf die Mauer programmierte. Das Foto haben wir bei der Generalprobe nachts zuvor gemacht. Man kann schließlich nicht überall gleichzeitig sein. Aber vielleicht werde ich mir für das kommende Jahr auch einen "Beamer" besorgen.

"Vorsprung" durch Technik. Steffen Müllers Extraschicht-Beitrag für Beamer und Wasserturm. Fotos: Frank Vinken
In Mülheim gibt es bis Mitte der Woche übrigens noch Seelöwen aus der Installation von Ottmar Hörl. (Für 220,- Euro und signiert auch für zu Hause).
27.05.2010
"Hallo Eisberg, bitte kommen . . ."
von frank vinken
Stephanie Wieber, Master-Studentin der "Anglophone Studies" im 3. Semester in Essen redet nicht lange drum herum: "Das ist hier der beste Studi-Job, den ich je hatte." Heute bringt sie als Fährfrau die Ruhr.2010-Volunteers auf deren Atoll-Inseln. Um vier Miniuten nach zehn warten erste Gäste bereits auf dem Tretboot-Steg am Bootshaus.

Drinnen (im "Iceberg") steht man wieder draußen (am Südpol). Volunteer Winkler startet die Elektronik im gekühlten Mediencontainer.
Christoph Winkler hat sich ein Pausensemester lang bei den Volunteers verpflichtet. An seinem ersten Atoll-Tag erreicht er den "Iceberg" mit Fernbedienung und frischem Mut knapp vor dem ersten Gästeboot. Almut hat ihre Enkel Pascal und Jaqueline aus Karlsruhe zu Gast. Die nutzen die Pfingstferien, um Andreas Kaisers künstlerisch aufbereitete Signale aus der Palaoa-Station des Alfred-Wegener Instituts zu erleben. Sie kommen ein wenig ratlos aber höchst beeindruckt vom Südpol zurück auf den Steg und sind sich einig. "Das war schon mal ein toller Start in den Tag." Christophs Funkgerät krächzt: "Hallo Eisberg, bitte kommen . . ." "Alles klar soweit", meldet er zurück zum Kundencontainer.

"This is the "Palaoa Observatory" . . . transmitting live from below the antarctic ice . . ." So klingt die Weddelrobbe in den Mikrofonen von Klimaforscher Lars Kindermann.
Ich komme ebenfalls klar. Ein Paar aus Essen-Stadtwald nimmt mich mit zur Kabakov-Insel. Die beiden haben Urlaub und das Tretboot reserviert, vermissen aber ein handliches Veranstaltungs-Programm, das man einsteckt, in dem man kurz nachschlägt und sofort weiß, was läuft im Kulturhauptstadtgebiet.
Kathrin Beckervordersandforth hat inzwischen den Diesel fürs ratternde Schöpfwerk angelassen. Die Studienrätin auf Altersteilzeit (Bio und Mathe am Carl-Humann in Essen Steele) ist rundum glücklich mit den Gästen, ihrem Stieg-Larsson-Krimi und einem Fernglas, mit dem sie seltene Vögel sucht. Das Paar Nilgänse aus dem Hafen am Haus Scheppen hat sie bereits entdeckt.

Mit Funkgerät und Fernglas . . .

Ihr Hauptfach heißt heute Ruhr-Atoll: Bio-Lehrerin Kathrin Beckervordersandforth.
Detlef Mund - ebenfalls pensionierter Lehrer und Volunteer der ersten Stunde - hilft Familie Fleps aus München aufs "U-Boot". Die vier sammeln Kulturhauptstädte, haben alle bis auf die der Britischen Inseln gesehen. Und wie finden Sie Essen und das Ruhrgebiet? Vater Fleps nickt anerkennend, sein Blick geht über den See. "Da ist hier schon sehr ausgefallen", sagt er, freut sich allerdings auch auf den Gasometer und - endlich - die Schachtzeichen.
Auch Detlef Mund - in Oberhausen hat er Englisch und Geschichte unterrichtet - ist Freiwilliger mit Leib und Seele. Die "Odyssee" ist sein Lieblingsprojekt. Nein, er wird nicht seekrank auf dem "U-Boot" und findet Kazuo Katases "Teehaus" gegenüber richtig toll. Auch, dass man dort nicht anlegen kann. "Da wär doch dann sofort wieder deutscher Stress."

Volunteer Detlef Mund ist von Anfang an dabei . . .

Familie Fleps ist beeindruckt vom "U-Boot" . . .

. . . und auch schon wieder unterwegs nach Oberhausen.
Mit zwei Besucherinnen aus Berlin komme ich zurück zum Bootshaus. Die beiden haben noch Zeit und wir nutzen die Ehrenrunde, um sich vom einheimischen Journalisten Tipps für den Rest des Tages zu holen. Ich empfehle Zollverein und die Schurenbachhalde inklusive Schachtzeichen im Norden. Vor der Espresso-Maschine im Besucherzentrum treffen wir uns kurz wieder und ich bin nach gut drei Stunden Inselhopping überrascht, wie entspannt sich nüchterne Besucherzahlen mit dem richtigen Leben füllen lassen.
Nachzutragen blieben nur noch der Dank fürs Mitnehmen und:

Fährfrau Stephanie aus dem ersten Absatz mit dem offiziellen Ruhr-Atoll-Team-T-Shirt . . .

Die Ruhe vor dem Sturm . . .

. . . und Reiher Ralf auf Schauflug für Kathrin Beckervordersandforth. Fotos: Frank Vinken
22.05.2010
Mit Stativ und Schlaf im Auge . . .
von frank vinken
Man muss kein Frühaufsteher sein, um diese Bilder machen zu können, aber es hilft. Überhaupt wundert es mich, dass ich nicht mehr Fotografen ganz früh morgens am Ruhr-Atoll treffe.

"Frosch und Teemeister" - von Kazuo Katase und Michael Wilkens.
Die Sonne schickt kurz nach dem Aufgang ihr schönstes Licht über die Heisinger Hügel ins Ruhrtal. Der See wirkt vom Wehr aus wie ein Stück Riesenleinwand für die vier Kunst-Inseln des Atolls. Ein merkwürdig starkes Bild, vergangen und irgendwie zukünftig zugleich. Der Rest der Welt verliert sich im Nebel dahinter. Kein Kampf ums freie Tretboot. Kanadagänse trompeten sich die Einflugschneisen frei, aus dem kleinen roten Forscherzelt auf dem "Iceberg" grummelt das letzte Gewitter über den See. Dabei ist schon die Autofahrt nach Werden ein Genuss. Keine Autos auf der Alfredstraße, keine Hektik, nur grüne Ampeln und frühe Vögel.

Ilya und Emilia Kabakovs "Projekt zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen". "Schrottinsel" sagen die 2010-Volunteers.

Das "U-Boot" von Andreas M. Kaufmann und Hans Ulrich Reck.

"Iceberg" mit Forscherzelt von Andreas Kaiser und Lars Kindermann. Fotos: Frank Vinken
Jetzt wünsche ich Ihnen ein schönes langes Pfingstwochenende und freue mich auf die "Schachtzeichen", Kazuo Katases Biennale-Lichtkunst im Haus von Barbara Höpping und Peter Freudenthal und auf ein Wiedersehen mit Elín Hansdóttirs Installation im ehemaligen Filmpalast Palette in Hamm.
16.05.2010
Ein Echo aus Usbekistan
von frank vinken
Erinnern Sie sich noch an den "Kollegen mit der Digicam" vom 12. Mai? Der Kollege heißt Guntram Walter, ist Fotograf und Weblogger aus Erkrath und hat sich ebenfalls an unser kurzes Gespräch über das rasselnde Schöpfwerk auf Kabakovs "Projekt zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen" erinnert. Per Mail schickte er folgendes Foto, das er 2008 auf seiner Reise durch Usbekistan in Samarkand aufgenommen hat.

Irgendwo in Samarkand . . . Foto: Guntram Walter
Herzlichen Dank, Guntram Walter, für die fotografische Verknüpfung des Ruhr-Atolls mit einer Realität, in der man sich die Inspiration ohne Improvisation oft gepflegt von der Backe putzen kann. Oder anders gesagt: Wer Dinge auf den Müll wirft, kann sich einfach nicht vorstellen, wozu man sie sonst noch hätte gebrauchen können, ganz besonders dort, wo es nicht viel bis gar nichts zu kaufen gibt.
Immerhin, meine Reisezeit für den folgenden kleinen Ausflug weit nach Osten hat drei Mausklicks lang gedauert und ich habe - Internet sei Dank - gelernt, dass die Stadt in Usbekistan mit ihrem "Registan" laut Wikipedia einen der prachtvollsten Plätze Zentralasiens besitzt, dass Samarkand wie Zollverein in der Welterbe-Liste der UNESCO steht und zudem eine Städtepartnerschaft mit der amtierenden Kulturhauptstadt Istanbul unterhält. Wenn sich da nicht Kreise schließen.
Eins noch. Mit Guntram Walter war auch WDR-Kulturredakteurin Claudia Dichter auf der Kabakov-Insel: Sie hat sich im Kulturmagazin "Scala" 10:35 Minuten Zeit genommen fürs Ruhr-Atoll. Dieses äußerst hörenswerte Stück Radio finden sie bis auf weiteres hier.
Atoll-Kurator Norbert Bauer übrigens geht fest davon aus, dass Ilya und Emilia Kabakov im Juni nach Essen kommen werden, um ihre Insel abzunehmen. Sobald ein genauer Termin feststeht, werden wir das melden. Zuletzt hatte Bauer die Kabakovs im Herbst in London getroffen, um dort einen Video-Beitrag für die Atoll-Matinée im Schloss Borbeck aufzunehmen.

Ilya Kabakov, Norbert Bauer in London. Screenshot: Frank Vinken
Und noch ein Hinweis für die neue Woche. Morgen wird auf der Brehm-Insel in Essen-Werden das MUS-E-Labor der Menuhin-Stiftung eröffnet. Kinder sollen dort ihren Wissensdurst mit künstlerischen Mitteln stillen. Die meisten Stationen zur Energieforschung stehen bereits dort und spielen unter anderem UFO.

UFO oder was? Forschungskapseln aus der MUS-E-Abteilung für chemische Energie. Foto: Frank Vinken
15.05.2010
Zauberisch
von frank vinken
Sorry, aber klar doch. Selbstverständlich gibt es in diesem Kulturhauptstadt-Tagebuch auch ein Echo der offiziellen Ruhr-Atoll-Eröffnung. Hoffe ja, die Bilder entschädigen ein wenig für die Wartezeit.

Unter Feuer: Das Ruhr-Atoll von den Machern des Ruhr.2010-Auftaktfeuerwerks auf Zollverein bespielt.

Mittendrin: Die U-Boot-Insel von Andreas M. Kaufmann und Hans Ulrich Reck.

Auftakt in Rot: Rechts das Teehaus von Kazuo Katase / Michael Wilkens und der "Iceberg" von Andreas Kaiser / Lars Kinderman.
Vors krachend-glitzernde Finale am späten Abend hatten sich die Wettergötter einen verregneten Nachmittag gedacht. Das bescherte dem Besucherzentrum am Hardenbergufer die ersten Schlangen vorm - ausgezeichneten - Buffet und Wartezeiten auf freie Plätze an den Tischen. Die kostenlosen Fähren der Weißen Flotte Baldeney pendelten beheizt und proppenvoll zwischen Hügel und Wehr. Das Figurentheater "Pantao"spielte sich mit seinen Naturwesen in die Herzen und Digicams der Ruhr-Atoll-Besucher. Zauberisch.
"Immerhin haben wir schon zwanzig Grad zugelegt", wird Ruhr.2010-Geschäftsführer Oliver Scheytt später kurz vor dem Countdown auf der Stauwehr-Bühne launig anmerken. Meint damit den Eröffnungs-Schneesturm auf Zollverein, das persönliche Wetter-Radar immer schon ein bißchen bange Richtung "Stillleben" auf der gesperrten A40 am 18. Juli gerichtet.
Wie auch immer. Ruhris feiern auch im Regen. Norbert Bauer war mit "seinem" Abend sehr zufrieden. Feuerwerk geht ja immer. Das Ruhr-Atoll wird ganz sicher seine Freunde und Besucher finden.

Proppenvoll: Schiffe der Weißen Flotte im Fährdienst zwischen Wehr und Hügel.

Wolkengrauer Blick vom Oberdeck auf "Teehaus" und "Laboratorium"

Erste Tretbootfahrer: Michael Quadflieg, der den letzten Generator vom "Kabakov" holt . . .

. . . ein WDR-Team, das Stoff für die "Aktuelle Stunde" vom U-Boot holt.

Bilder für Herz und Digicam . . .

. . . das Kölner Figurentheater "Pantao"

Später füllt sich dann das Stauwehr . . .

. . . wird es zum ersten Mal gemütlich eng im Besucherzentrum am Hardenbergufer . . .

. . . treffen sich die Ehrengäste zu Eröffnung-Talk und Feuerwerk-Countdown: (von links) Dr. Stephan Muschick, Leiter Bürgerschaftliches Engagement der RWE AG, Ruhrverband-Vorstand Professor Harro Bode, Professor Oliver Scheytt und Bürgermeister Rudi Jelinek (rechts) mit Moderator.

Eingeschaltet ist . . .

. . . und wir hoffen, Frau Sonne nimmt sich ein Beispiel an der kleinen Schwester vom Figurentheater, lässt endlich das Versteckspiel und fängt mit Scheinen an. Fotos: Frank Vinken
12.05.2010
" Ist das irre . . ."
von frank vinken
Hätte mich auch gewundert . . . Als die letzten Frikadellen aufs Buffet geräumt und sich die ersten Kollegen zur Pressekonferenz auf der MS "Stadt Essen" versammelten, da glitt gestern das noch fehlende Viertel Ruhr-Atoll gemächlich am Hügel-Anleger vorbei. Immerhin, der nachzügelnde "Iceberg" von Andreas Kaiser und Polarforscher Lars Kindermann strahlte in reinstem Weiß Richtung Regenhimmel. Es nieselt leicht und auch Maschinenbau-Ingenieur Michael Quadflieg ist genau dort, wo ich ihn tags zuvor zuletzt fotografiert hatte: Auf seiner schmalen Leiter die noch fehlenden Kabakovschen Windmühlen-Flügel verschraubend. Eine gute Stunde später ist allerdings klar, dass sich die endlose "Schrauberei" tatsächlich gelohnt hat. Ruhr.2010-Geschäftsführer Oliver Scheytt wird staunend das "Projekt zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen" betreten und offenmundig staunend nur noch bis zum oft gehörten "ist das irre" kommen.

Mit allen Windradflügeln und (Achtung: Preview) funkelnagelneuer Stauwehr-Illumination im Hintergrund: Kabakovs "Projekt zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen".
Für den Ausnahme-Presseshuttle zum Atoll hatte Baldeneyflottenchef Franz-Josef Evers die alte Fähre "Isenberg" (Baujahr 1955) reaktiviert. Kameraleute drehen Norbert Bauers liebevoll gesammelte Baumstümpfe und Wurzeln, eine Hörfunkerin sichert sich vor dem scheppernden Schöpfwerk einen schrillen Atoll-O-Ton und ein Kollege mit Digicam macht den beiden verantwortlichen Theater-Plastikern Ludwig und Quadflieg wohl das größte Kompliment der Atollbau-Geschichte. Ein solches Ding habe er mal auf einer Zugreise durch Usbekistan gesehen, in einer Vorstadt von Samarkand: "Das war genau so, nur mit Gießkannen".

"Ist das irre". Ruhr.2010-Geschäftsführer Oliver Scheytt ist begeistert.
Am Abend feierte dann die RWE AG als Hauptsponsor ihre Eröffnung des Ruhr-Atolls auf und mit der Weißen Flotte. Die ungeladenen "Eisheiligen" brachten ihren fiesesten Regen und gefühlte drei Grad mit. Zur offizellen Freigabe der Inselgruppe traf sich eine Talk-Runde mit Bürgermeister Rudi Jelinek und RWE Vorstand Dr. Leonhard Birnbaum draußen auf dem U-Boot-Turm von Kaufmann und Reck.
Aber bevor ich Ihnen hier die Fotos erzähle, schauen Sie einfach selbst.

Inselpate Gunnar Helberg mit Lichtburg-Chefin Marianne Menze.

Heidrun Hubenthal, "Baufrosch" Michael Wilkens, die Teehaus-Paten Achim Schillak und Kathrin Schmelter, Kazuo Katase.

"Iceberg" von Andreas Kaiser und Polarforscher Lars Kindermann.

Hier warten die beiden auf Strom für den Mediencontainer im Innern ihrer Insel.

Schutz vor den "Eisheiligen" am See: Andreas Kaiser und Freundin Paula Stille.

Schutz vor den Eisheiligen auf dem See: Beschirmte Talk-Runde auf dem U-Boot.

Norbert Bauer, Dr. Stephan Muschick, RWE-Vorstand Dr. Leonhard Birnbaum, Professor Oliver Scheytt, Moderatorin Asli Sevindim.
Eigentlich war er ja für die Tontechnik und das Ersatzmikro verantwortlich. Deshalb: Danke fürs kleine "Modeln" vor großer Kulisse.

Das wird 2010 die typische Handbewegung am See . . .

. . . und später am Abend wurde aus der Weißen Flotte Baldeney doch noch eine "Goldene". Fotos: Frank Vinken
Gleich beginnt die große Eröffnungsfeier für alle am See mit viel Gastronomie, Theater, Stauwehrbeleuchtung und Feuerwerk um 21.30 Uhr. Morgen können die Tretboote zum Näherfahren gemietet werden. Bis auf das Teehaus sollen die Inseln auch erkundet werden. Hoffentlich macht das Wetter mit.
11.05.2010
Ab heute wird eröffnet
von frank vinken
In meiner Sammlung der spannendsten und vielleicht eindrucksvollsten Recherche-Termine für dieses Ruhr-Atoll-Tagebuch gibt es seit gestern einen neuen Favoriten. Ich durfte mit auf die erste große Fahrt des kompletten Kabakovschen "Projekts zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen" zum Verankern zwischen "U-Boot" und Besucherzentrum. Was für eine Reise. Da machten die gefühlten fünf Grad Celsius nichts und auch ohne Flügel am zweiten Windrad hatten alle "an Bord" das Gänsehaut-Gefühl, ein solches Kunstwerk wohl sicher kein zweites Mal im Leben die Ruhr abwärts zur Premiere begleiten zu können.

Große Fahrt: Der "Pionier" zieht "den Kabakov" zum Stauwehr . . .

. . .

. . . und Kapitän Gottfried Krause wirft den ersten Anker.
Mit an Bord von Kapitän Krauses "Pionier" waren Norbert Bauer, dem bereits in der Nacht beim erfolgreichen Probelauf des Schöpfwerks die Tränchen der Begeisterung in den Augen gestanden hatten. "Das war ergreifend", sagt er später. Weiter war dabei GFK-Zauberer Mark Przybyla, der mit viel Erfahrung, einem schier unermüdlichen Team, viel Polyester, Steingranulat und Erdreich die Insel so überzeugend lebendig verwittern ließ. Mitfahren durften auch Roger Irman, Ton- und Lichtspezialist des Ruhr-Atolls, und Monday-Movie-Mann Frank Montag, der das Projekt mit der Videokamera begleitet. Ach ja, und Leon natürlich, der frustriert versuchte, ein (festgeklebtes) neues Stöckchen freizuscharren.
Schlicht grandios war gestern auch der selbstlose Einsatz von Bühnenplastiker Sebastian (Sebo) Ludwig, der die Laboratoriumshütte und das Präsentationsmodell der Insel gestaltet hat. Mit Tauchlizenz stieg er in das zum "Iceberg" passend kalte Seewasser, um die Ankerketten zu befestigen. Respekt. Alle auf der Baustelle haben mitgefroren.

Bilder eines Tauchgangs: Sebastian (Sebo) Ludwig . . .

. . . beim Befestigen der Ankerketten unter dem Eisberg und dem Kabakov-Laboratorium.

Der Mann ist unfrierbar: "Alles klar"
Was sonst noch geschah: Michael Quadflieg brachte das rasselnde Schöpfwerk des Laboratoriums zur Dauerbetriebsreife und Eisberg-Künstler Andreas Kaiser hat am Ende doch noch zu Farbrolle und Reflektions-Granulat gegriffen, damit sein "Iceberg" so weiß strahlt, wie peplant und das Kunst-Objekt doch noch komplett zur heutigen Pressekonferenz und zur Eröffnungsgfeier der RWE AG am Nachmittag vor dem Wehr zu liegen kommt.

Das Schöpfwerk läuft . . .

Anreas Kaisers (rechts) "Iceberg" auf dem Weg zum Weiß . . .

. . . und die allerletzten Schweißarbeiten, bevor gestern gegen 13.00 der Schlepper kam. Fotos: Frank Vinken
10.05.2010
Die erste Feier und ein Film zum Atoll
von frank vinken
Noch eins, bevor es richtig los geht. Seine erste Feier hat das Ruhr-Atoll bereits gesehen. Alle Handwerker, Firmen, Freunde und Förderer waren zum informellen Empfang am Samstag eingeladen. Fast alle kamen, denn parallel zur Party wurde im Ruhrverband-Hafen noch gebaut, beschichtet und geschraubt. Atoll-Kurator Norbert Bauer nutzte die Gelegenheit, um erstmals sein Besucherzentrum auf dem Festland im Tor 2 an der Ruhrtalstraße in Werden vorzustellen. Bauer präsentiert auf 25 imposante Meter lang die Ergebnisse seines epochalen "Grundsteinkisten"-Projekts und - wunderschön platziert - alle Insel-Entwürfe, die vor sechs Jahre für das (seinerzeit noch) Folkwang-Atoll angefertigt worden waren. "Best of Bauer" sozusagen.

Norbert Bauers "Grundsteinkisten" . . .

. . . und alle modellierten Insel-Entwürfe für das "Folkwang-Atoll" von 2004

Das Besucherzentrum Tor 2 im Panorama.

Weit gereist: Polarforscher Lars Kindermann (Mitte) vom Palaoa-Observatorium des Alfred Wegener Instituts mit "Iceberg"-Inselpartner Andreas Kaiser und Norbert Bauer (r).

RWE-Inselpatinnen Kathrin Schmelter (Teehaus) und Ilona Ahman (Kabakov) mit Ingrid Brandhorst aus der Abteilung Bürgerschaftliches Engagement der RWE AG (von links).

"Haben einen Superjob gemacht": Handwerker der EABG mit Gewerkemeister Peter Hammerschmidt (4. von rechts).

Waren die Schnellsten: Schiffbauer Georg Höckels (l) mit U-Boot-Konstrukteur Heiko Buchloh.

Besuch aus Barcelona: Andreas M. Kaufmann mit Ehefrau Montserrat Badia

Das Bright Chamber Orchestra um Beate Freis (sax) und Rolf Dehmer. Fotos: Frank Vinken
Und noch eins: Der Film zum Ruhr-Atoll läuft heute Abend im Filmstudio Glückauf in Essen. Dort werden Kerstin Stutterheim und Niels Bolbrinker ihre Kabakov-Dokumentation "Fliegen und Engel" präsentieren. Beginn ist um 20.00 Uhr. Ein Muss für den, der mehr über Ilya und Emilia Kabakov und die Ideen hinter dem "Laboratorium" erfahren will, das bis Oktober auf dem Baldeneysee rasselnd und tropfend die Problematik der "Erhaltung der natürlichen Ressourcen" illustrieren wird.
Noch ein Update zum Wetter diese Woche: Der Bericht sagt einen eher grauen Himmel voraus. Es bleibt kühl. Nun, das passt dann wenigtens zu den Bildern der vergangenen Tage.















