06.09.2010

Theater furios: Los, Kanake, wir spielen Schiller!

von kid blog

Herrlich. So aktuell, bissig und intelligent kann Theater sein. Bei der RuhrTriennale (Fokus: Kunst und Kreatives im Islam) lief am Wochenende in Duisburgs Gebläsehalle "Verrücktes Blut": Die definitive Bestandsaufnahme zu Ausländerschmäh, Integrationsproblem, Schulmisere, Gewalt unter muslimischen Halbstarken. Ein wahrlich grandioses Stück!

Da ist alles drin: Blanker Sarrazinismus und die Widerrede dazu. Die Ohnmacht der Pauker, die Rollenmodelle von Soziologen, nach denen türkische Jungs auf Macho geprägt werden, schlussendlich auch die Hahnenkämpfe dieser Recken mit ihrem Repertoire aus Aggression, Kraftmeierei, geborgter HipHop-Coolness und Kanak-Sprak.

"Verrücktes Blut" legt den Finger in die Wunde, die Sprache ist rasiermesserscharf:  "F.... disch, du Muschi!" In der Theater-AG einer Schule, vielleicht in Neukölln, prallen deutsche Leitkultur und jugendliche Verweigerungshaltung aufeinander.

Die Lehrerin will Schillers "Die Räuber" einstudieren. Ihre Schüler (mit "Migrationshintergrund", wie es politisch korrekt heißen muss) torpedieren den Unterricht. Weil "Verrücktes Blut" alles andere als politisch korrekt ist, steht in der Regieanweisung: "Sie machen den Kanaken".

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Noch bevor ein Wort gesprochen ist, bauen sich die Schüler in einer Reihe vor dem Duisburger Publikum auf, lässig, drohend, provozierend. Und dann wird gespuckt, nein: gerotzt und wieder gerotzt. Hast Du Problem? Körperhaltung, Blicke und rituelles Rotzen.

Vor uns steht das Abziehbild des "Kanaken", des Abziehers, des Null Bock-Rabauken, des Straßengangsters in spe. Sarrazins Schreckgespenst. Dumm geboren, außer Wut nichts gelernt, kriminell geworden? Das Stück (geschrieben von Jens Hillje und Nurkan Erpulat, inszeniert von Erpulat) bedient sich einer grellen Typisierung, wie sie im wirklichen Leben (und nicht nur in Detlev Bucks "Knallhart") auch anzutreffen ist.

Die Lehrerin hat keine Chance durchzudringen, ist mehr Spielball als Autorität. Das ändert sich erst, als bei einer Rangelei eine Pistole aus dem Rucksack eines Schülers fällt. Die Lehrerin bekommt die Waffe zu fassen, plötzlich hat sie die Macht! Jetzt findet sie Gehör, jetzt ist sie Chef im Ring.

Von da ab herrscht Unterricht paradox, mit vorgehaltener Wumme. Warnschüsse erzwingen die Konzentration. Los, Musa, wir spielen Schiller! Die Pädagogin als gnadenlose Einpeitscherin, giftig, gallig, beseelt von aufgestautem Hass. "Los, ihr Primaten, wir spielen Schiller!"

Die Stunde der Abrechnung. Die Schüler werden überhauft mit Befehlen, sie werden gedemütigt, beschimpft, ihr falsches Deutsch wird höhnisch korrigiert. Die Rache einer Lehrkraft, die Amok läuft und rauslässt, was sie jahrelang herunterschluckte.

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Atemberaubend, wie Sesede Terziyan die Lehrerin spielt. Da glüht ein Feuer. Da wird der Humanismus zum Diktator. "Was glaubt Ihr, wofür Eure Eltern ihre Heimat verlassen haben? Damit Ihr ein besseres Leben habt! Wenn Ihr Euer Leben weiter vermurkst, dann war das Opfer Eurer Eltern umsonst!"

Bis hierhin muss man den Eindruck haben, "Verrücktes Blut" sei todernstes Drama, bleischwere Problemwälzerei. Falsch. In köstlichen Purzelbäumen kippt bitterer Ernst in schallende Komik, die das Publikum zu kleinen Lachsalven animiert.

Wie die Lehrerin triumphiert, als der Zwangsunterricht Früchte trägt und die Teenager in den Figuren der "Räuber" aufgehen: "Ja, es funktioniert", jauchzt sie hingerissen von ihrer Methode. Und bimst ihren Opfern, die eben noch Täter waren, eine Lektion nach der anderen ein. Zum Status der Frauen im Islam. Zum Braut-Import aus Anatolien. Was heißt eigentlich "Respekt", was ist noch mal eine "Nutte"?

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In einer absolut seltenen Qualität durchdringen sich in diesem Stück Farce und Realismus, Komik und Tragik, Brutalität und Wohlwollen, Moral und Terror. Über der quadratischen Spielflache hängt ein verkleinerter Flügel, Hoch-Kultur im wörtlichen Sinne. Das Licht wird milde, die Schüler nehmen Aufstellung und singen deutsches Liedgut: Ade, du mein lieb Heimatland. Deutsche Ideale, deutsche Tugend. Aufklärung. Romantik. Vaterland.

Zurück ins Neonlicht, zurück zu Frau Lehrerins grausamen Lektionen. Verdammt, da steckt Potenzial in diesen Kids, jawoll der Türke hat das Zeug zu Schillers Räuberhauptmann! Er kann ihn verkörpern und spielen, wenn er nur kapiert, dass dieser Karl ein universeller Rebell ist!

Hier mündet der Versuchsaufbau, den "Verrücktes Blut" darstellt, in einen Fingerzeig, der über das Jonglieren mit Standpunkten zur Ausländerdebatte hinausweist: Es muss darum gehen, Fertigkeiten, Erfahrungen, Kreativität dieser Jugendlichen zu aktivieren und abzurufen.

Natürlich verbalisieren die Autoren Hillje und Erpulat das nicht so plakativ. Dafür sind sie viel zu schlau. Aber sie bringen eben mehr als nur einen virtuosen Clash von Argumenten zum "Ausländerproblem". Hut ab: Eine imponierend clevere, inszenatorisch und schauspielerisch brillante Arbeit.

Muss es uns wundern, dass dieses Stück aus Berlin (vom Ballhaus Naunynstraße) kommt? Sozialer Brennpunkt, Hauptstadt der Probleme, aber auch der Humus, auf dem solch wunderbare Projekte gedeihen. Realisiert von Berlinern mit türkischen, arabischen und deutschen Namen.

 

 

 

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05.09.2010

Zeitlos am See . . .

von frank vinken

Da hat Franz-Josef Ewers, Chef der weißen Flotte Baldeneysee und Essens Erster See-Mann, ein feines Fest auf die Schwimmbühne gezaubert. Volle Tribünen, voller Oldie-Sound vom Rockorchester Ruhrgebeat und der klare Spätsommer-Himmel voller Feuerwerk. Ein würdiger Rahmen auch für die Eröffnung von Christoph Hildebrands Ruhrlights-Lichtinstallation  "time" auf dem Regattaturm.

Die Installation "time" auf dem Regattaturm kurz nach der Premiere am Samstag.

Zeitlos am See . . .  In diesem Sinn zeigen Christoph Hildebrands neonweiße, weithin leuchtende Uhren in ein ziffernloses Durcheinander, laufen vorwärts und rückwärts, einige viel zu schnell, einige zu langsam. Eine wirklich wunderschöne Arbeit für alle, die akut unter Zeitdruck leiden. Wann ist der nächste Termin? Keine Ahnung. Schauen Sie doch einfach mal auf die Uhr.

Dabei war Hildebrand eigentlich der zweite Ruhrlights-Künstler im Programm zwischen Hagen und Duisburg. Modulorbeat hatte das Lichtkunst-Festival tags zuvor mit ihren illuminierten Bulk-Containern auf dem Hengsteysee eröffnen sollen. Die Tanks der "amitious urbanists" erwiesen sich im Wasser jedoch als weniger begehbar wie zunächst geplant. Die Eröffnung in Hagen wird voraussichtlich Mittwoch an Land nachgeholt.

Aber apropos Zeitlosigkeit. Mit seiner Montage kam Christoph Hildebrand ganz knapp rechtzeitig. Ruhr.2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen stand praktisch schon am Mikrofon, als der Essener Lichtkünstler auf dem Regattaturm die letzten Schrauben anzog. "Just in Time" in seiner spannendsten Form.

Der Rest des Seefest-Sommerabends ist schnell erzählt, und wer die Bilder hat, braucht dazu eigentlich nicht viel Text:

Just in Time: Montage des letzten Uhrwerks kurz vor der Eröffnungsrede

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Letzte Einstellungen . . .

. . . bevor sich auch der Lichtkünstler persönlich ein Bild von der "Twilight Zone" am See machen kann . . .

Die Tribünen vor der Seebühne . . .

. . . mit dem Rockorchester Ruhrgebeat . . .

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. . . Fritz Pleitgen, Essens OB Reinhard Paß

Der Blick vom See . . .

. . . und kurz vor dem Feuerwerk vom Stauwehr aus auf die Seebühne . . .

. . .

Nur eins noch. "'Ruhrlights: Twilight Zone' unternimmt einen Perspektivwechsel und lädt die Ruhr mit neuen Energien auf", steht auf der Projektseite (Link oben) im Netz. Der Blogger meint, dass die schönsten "Ruhrlights" allerdings ganz ohne Installation und Projektion auskommen. Einfach 'mal zum See und die Augen öffnen. Für alle, die auch ohne Kulturhauptstadt-Programm neue Energien anzapfen möchten. Aber sehen Sie doch selbst. In diesem Sinn.

Fotos: Frank Vinken

 

 

 

 

 

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03.09.2010

Komm zum Zug! Im "Transorient-Express" von Welt zu Welt

von frank vinken

Als Höhepunkt der Bewegung zwischen den Kulturen geht das Melez-Festival 2010 ab dem 3. Oktober in einem umgebauten S-Bahn-Zug auf 13 rasante Reisen durchs Ruhrgebiet. Wir haben in Essen schon mal die Ohren auf die Schienen gelegt und ein wenig vorgehört. Im Katakomben-Theater trafen sich Weltmusiker des "Transorient Orchestra" mit dem Istanbuler Ausnahme-Klarinettisten Selim Sesler und Jazz-Musikern aus ganz Deutschland zum Workshop.

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Selim Sesler

Nach der Kaffepause am Nachmittag sitzen die Workshopper im Arbeitslicht der Katakomben-Bühne und versuchen sich mit dem Selim Sesler-Trio an "Butchers Air". Ein traditionelles Stück aus dem Repertoire des gut sortierten traditionellen türkischen Hochzeitsmusikers, arrangiert von Wim Wollner. An des Metzgers Melodie lassen sich die rhythmischen Eigenheiten und Orientalismen besonders gut studieren. Nach dem Aufwärmen beginnen die Jazzer ihre ersten nervösen Solo-Runden auf einem ungewohnten Klangteppich. Selim Sesler, Sohn Bülent am Kanun und Trommler Selahattin Kocan werfen motivierende Blicke. Andreas Heuser, Katakomben-Direktor Kazim Calisgan und Jens Pollheide vertreten das Transorient Orchestra und stabilisieren taktvoll den Sound aus dem Süden des Kontinents.

Dann, und höflich nach allen anderen, gönnt sich auch Sesler ein Solo und lässt feingliedrig eine urwüchsige Musikalität aufblitzen, von der sich auch schon Fatih Akin in seiner musikalischen Istanbul-Dokumentation "Crossing the Bridge" begeistern ließ. Selim Sesler, von Geburt und aus Überzeugung Roma, improvisiert mit traumhafter Sicherheit durch die Skalen seiner musikalischen Heimat, verliert sich ansatzlos in schnellen, kleinen Erzählungen und lässt seine Klarinette Töne finden, die viele andere nicht einmal suchen würden. Klasse!

Wer das nun mit eigenen Ohren hören möchte, hat dazu morgen, Samstag, 4. September, im Katakomben-Theater im Girardet Haus in Essen Gelegenheit. Das "Transorient Orchestra" gastiert dort mit dem Selim Sesler Trio um 21.00 Uhr. Info steht hier.

Und was hat das alles mit den eingangs erwähnten Melez-Zugreisen zu tun? Am 24. Oktober geht der Transorient-Orchester-Zug zum 11.00 Uhr von Essen ab in Richtung Herne und zurück nach Essen. Vorher sind die gefragten Weltmusiker noch beim Stadtfest Essen-Original zu hören, und zwar am 10. September auf der Bühne Hirschlandplatz.

So. Nachdem auch dieser Kreis vollendet ist, fehlen nur noch Bilder:

Bülent Sesler am Kanun

Sesler-Trio-Trommler Selahattin Kocan

Richtung Orient und immer geradeaus. Hans Pfeiffer . . .

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Marianne Kupczik

Benjamin Stein am Santur

Andreas Heuser

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Kazim Calisgan, Selim Sesler

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Jens Pollheide

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. . . und noch einmal "Butchers Air" aus dem Workshop zum Nachlesen, arrangiert von Wim Wollner. Fotos: Frank Vinken

 

 

 

 

 

 

 

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03.09.2010

Ruhrigramm #34: Sonsbeck

von lothar trochaeus

Heute, liebe Freunde, unternehmen wir einen lyrischen Ausflug ins Traktorenmuseum: Hört Ihr schon die Kolben kolben?


Diesel, Stier und Hagedorn,
Von der Seite und von vorn.
Schlüter, Miag, Röhr und Wahl,
Teils aus Gummi, meist aus Stahl.
Kramer, Meili, Hürlimann,
Jeder fasst sie gerne an.
Zettelmeyer, Sulzer, Fahr,
Wer laut knattert, gilt als Star.

Bungartz, Hanomag und Bautz:
Schaut´s nur hin, Ihr Leute, schaut´s!
Sendling, Deering, MBA:
Ja tatsächlich, alle da!
Holder, Fordson und Renault:
Wo ist, bitteschön, das Klo?
Hummel, Güldner und John Deere:
Waren wir nicht morgens vier?

Kögel, Swoboda und Stock:
Mutti kriegt gleich einen Schock!
Zetor, Ursus, Hela, Lanz:
Unser Kind fehlt voll und ganz!
Schmotzer, Stihl und Unitrak:
Gleich trifft sie auch noch der Schlag!
Bischoff, Skoda, O&K:
Plötzlich ist es wieder da!

Mercedes, Fiat und Landini:
Interessiert sind die Bambini.
Krümpel, Hatz und David Brown:
Jetzt wird erstmal zugehaun.
Allis-Chalmers, Sendling, Fendt:
Gut hört man ein Kind, das flennt.
Massey-Harris, IFA:
Verzeihung, dass ich böse war.

Porsche, MAN, Allgaier:
Auf geht´s zur Versöhnungsfeier!
Kögel, Kelkel und Vierzon:
Abschlussmahl im Restaurant.
Ob Klöckner, Humboldt oder Deutz:
Nach Sonsbeck fahrn: keiner bereut´s.

 

IHC, Field-Marshall, Bukh:
Geh ins Internet und guck!

Weitere 19 Ruhrigramme folgen.

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01.09.2010

Creative Potentials – Das Festival KREATIVE KLASSE RUHR

von energiekulturruhr-team

Mittlerweile braucht man nicht mehr über den Nutzen der Kreativwirtschaft diskutieren, längst hat sie sich neben den Sektoren Automobil, Maschinenbau, Informations- und Kommunikationstechnologie zu einem eigenständigen dynamischen Wirtschaftszweig emanzipiert. Damit ist die Theorie von der „Kreativen Klasse“ des US-amerikanischen Ökonomen Richard Florida umgesetzt, dass sich die Kunst- und Kulturindustrie zu einer eigenständigen und prosperierenden Branche entwickeln wird. Ein prominentes Beispiel dafür ist die Kreative Klasse Ruhr, deren Festival vom 3. September bis zum 3. Oktober 2010 an unterschiedlichen Standorten der Ruhrstadt stattfindet.

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Vorstricken mit Pierre Kracht bei Heimatdesign. Foto: Daniel  Sadrowski

2007 wurde das Festival von der Stiftung Zollverein initiiert und im Kulturhauptstadtjahr breitet es sich im gesamten Ruhrgebiet aus. Das Festival versteht sich als Aktions- und Kommunikationsplattform hiesiger Kreativ-Unternehmen. Das Festivalprogramm wird ganz individuell von den Kreativen bestritten und lebt von der Originalität und Authentizität der kreativen Macher: ob Ausstellungen, Workshops, Mitmachaktionen, Konzerte, Partys, Spaziergänge, Shopping Events, Vorträge, Kino, Performances, Bierverkostungen, Pop-up Stores oder Happenings – den Veranstaltungen und Programmpunkten sind keine Grenzen gesetzt. Genauso groß ist die Bandbreite der Teilnehmer: das Ruhrgebiet beheimatet junge Wilde diverser Branchen, aber auch arrivierte, international agierende Agenturen. Den Besuchern wird ein Programm geboten, das in unentdeckte Hinterhöfe und sich entwickelnde Kreativ.Quartiere führt, zum Stöbern einlädt und das neue Lebensgefühl des Ruhrgebiets erleben lässt.

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Ausstellung Zeche Consol Fundstücke. Foto: Julia Reschucha

Zum Auftakt am 3. September 2010 lädt die Kulturhauptstadt RUHR.2010 mit ihrem Institut european centre for creative economy|ecce zur „Jahrestagung Kreativwirtschaft” ein. Ab 14 Uhr trifft sich die Kreativ-Szene im Stadtwerkezelt des Zeltfestivals Ruhr am Kemnader Stausee in Bochum, diskutiert über wichtige Themen zur Branchenentwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft und tauscht sich in Workshops über Märkte, Chancen und Talentförderung aus.

Natürlich gibt’s auch eine Eröffnungsparty mit dem Globalibre DJ-Team und vielen weiteren Programmpunkten.

Weitere Infos unter:
www.kreativeklasseruhr.de

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30.08.2010

25.000 Inselfahrer, 750 freiwillige Einsätze und ein Fest am See

von frank vinken

Jetzt ist es amtlich. Nun ja, sagen wir, so gut wie amtlich. 25.000 Kulturhauptstadt-Besucher sind mit den weißen Tretbooten auf die Ruhr-Atoll-Inseln gereist. Und wie sich das für eine ordentliche Besucherstrom-Erfassung gehört, werden besondere Zahlen auch besonders gewürdigt. Die 25.000. Besucherin heißt Anke Scharch, kommt aus Mülheim und freute sich über Glückwünsche und Geschenke.

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Auf Jubiläums-Tour zum Ruhr-Atoll: Anke Scharch, Sohn Niklas aus Mülheim mit Ingrid Brandhorst von der Abteilung Bürgerschaftliches Engagement der RWE AG (vorn links) und Susanne Münch (Ruhr.2010 GmbH) dahinter.

Atoll-Kurator Norbert Bauer, Projektleiterin Susanne Münch und Ingrid Brandhorst (RWE) überreichten mit den Blumen ein signiertes "Buch 3" der Ruhr.2010 GmbH sowie die 380 Seiten dicke Dokumentation der RWE-Kulturhauptstadt-Projekte "Kultur elektrisiert" aus dem Klartext-Verlag.

Die 25.000 war in diesen Tagen allerdings nicht die einzige Superzahl des Ruhr-Atolls. Rund 20 feste freiwillige Helferinnen und Helfer feierten ihren 750. Einsatz auf den Inseln und im Besucherzentrum. Für die Volunteers mit den meisten Einsätzen gab's den großen Glückwunsch, vom Kurator persönlich beurkundet. Ausgezeichnet wurden unter anderem Marian Witte, Werner Klüßendorf, Marie-Luise Krebs und Hans-Henning Pietsch. Für alle Freiwilligen am See fasste Norbert Bauer seinen Dank in folgende klare Worte: "Ohne Sie und ihren Einsatz wäre das hier überhaupt nicht möglich gewesen." Am Ende, so ergänzte Bauer schmunzelnd, habe er sich sogar in die Farbe der Volunteer-Shirts verliebt. Der Vollständigkeit halber sei noch angemerkt, dass sich der Atoll-Volunteer mit der höchsten Einsatz-Zahl nicht öffentlich geehrt sehen mochte. Gleichwohl, Glückwunsch gegen Unbekannt auch von dieser Stelle. Das war ein Klasse Job.

Wer nun mitwirken möchte, die 30.000 vollzumachen, hat dafür bis zum 10. Oktober Gelegenheit. An diesem Sonntag feiern die Kunst-Inseln Finissage. Grob geplant sollen sie noch bis November auf dem See bleiben. Danach ist endgültig Schicht und es geht zurück in den Betriebshafen des Ruhrverbands am Haus Scheppen und in eine bis dato ungeklärte Zukunft. Tretboot-Tickets und Tarife gibt es hier.

Vielleicht wird's ja am kommenden Wochenende nochmal voll am Atoll. Die  Stadt feiert vom 3. bis zum 5. September ESSEN.AM SEE. Ein richtig dickes Ding mit Geier Sturzflug, Seebühne, Feuerwerk, mit Weißer Flotte und allem Zipp und Zapp.

Der Kurator signiert "Kultur elektrisiert". Norbert Bauer, Susanne Münch.

. . .

Applaus für die 25.000. Inselbesucherin . . .

. . . Anke Scharch, hier überrascht von Ruhr-Atoll-Sprecher Holger Krüssmann.

. . . und noch ein Volunteer-Treffen . . .

fürs offizielle Pressefoto vor dem Besucherzentrum. Fotos: Frank Vinken

 

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27.08.2010

Ruhrigramm #33: Herdecke

von lothar trochaeus

Verehrte Liebhaber der weichen Standortlyrik, war Ihnen schon immer klar, dass das Vorhandensein von schönen Orten sowohl wirtschaftliche wie sportliche Perspektiven fördert?

 

Die neue Spielzeit naht im Fluge,
Jetzt ist der Manager am Zuge:
Er will für den Verein das Beste
Und nicht nur abgelegte Reste.

So blickt er auf die Transferlisten
Und hadert mit dem Druck der Fristen.
Da wird ihm plötzlich angeboten
Ein Star von Welt, mit besten Noten!

Es will ihm gar nicht in die Omme –
Der Fußballprofi spricht: „Ich komme!“
Es scheint sich ja bei Euch zu lohnen.
Nur frage ich: Wo soll ich wohnen?“

Da lacht der Manager wie irre:
„Getz mach dich da ma bloß nich kirre,
Für dich und was man sonst verpflichtet
Ham wir doch Herdecke errichtet!“

Der Star geht gucken, ist ekstatisch:
„Bei Gott, wie ist mir das sympathisch!
Ja, diese Stadt wird mein Zuhause,
Von wo ich dann ins Stadion brause!“

Er reiht sich ein bei den Kollegen,
Die längst schon diesem Charme erlegen.
Der BVB samt Rauball, Reinhard,
Macht Herdecke zu seiner Heimat!

 

Ob Spielermänner, Spielerfrauen:
Es lohnt sich, mal hereinzuschauen.

Weitere 20 Ruhrigramme folgen.

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27.08.2010

Sound and Vision - Musik und mehr bei der ISEA

von kid blog

Musik, Performances, Sound-Skulpturen mit Videos gab es bei der ISEA, dem Gemischtwarenladen elektronischer Kunst, der noch bis zum 29. 8. geöffnet hat. Schauplätze waren das Dortmunder Konzerthaus und der Jazzclub domicil. Den Auftakt bestritten am Montag (nach einstündigem Rede- , Gruß- und Dankesmarathon) die Elektro-Frickler Asmus Tietjens und Thomas Köner.

Ihre Hommage an Stockhausen verunfallte zum prätentiösen Langweiler. Die Herren sitzen an zwei Tischen, vor sich die Gerätschaften, tuscheln gelegentlich und verabreden dort ein Werk ("Kontakt der Jünglinge"), das zum Einschlafen einlud. Keine Dynamik, keine Dramaturgie, keine Farbigkeit.

Ein schales Klanggebräu, das Ambient-Landschaft zu nennen sich verbietet, weil Landschaft meint, dass einem Bilder im Kopf aufgehen. Mitnichten. Raunen, Keckern, ein kleiner Partikelschauer, ein Crescendo über Minuten, doch bloß ein Atemhauch, der nicht versiegen will. Harsches Schaben. Rauschen. Nichts, dass Horizonte erschließt. Spannunglos, atonal, a-rhythmisch sowieso. Na danke. Nicht wenige im Publikum kapitulieren und wandern ab.

Tags darauf wars besser. Hildur Gudnadottir spielt Cello und dessen hochgepitchte Variante, die sich "Halldorophon" nennt.  Durch ein Feedbacksystem ist das Instrument so feinnervig, dass die Isländerin durch Betasten der Saiten ein vollen vibrierenden Ton gewinnt, den sie durch Drehung des Cellos modulieren kann.

Mit dem Bogen in klassischer Spielart produziert sie Trauermusik in Moll, dann einen Tanz der Brummbären, wobei sie von einer Spur aus dem Laptop begleitet wird. "Schlecht Cello spielen kann ich auch", meint eine Kollegin von der Klassik im Stuhl nebenan. Sie vermisst den schönen Ton.

Der ist Gudnadottir aber nicht wichtig. Die ist an Ausdruck, nicht an Schönheit interessiert. Irgendwie erinnert die schroffe Melancholie ihrer Stücke an die Landschaft auf Island, und dann macht alles Sinn. Obwohl - schön kann sie auch: Sie singt, klaro: elfengleich, eine 700 Jahre alte Hymne und begleitet sich am Cello. Das hat etwas von Jenseitswelt, feierlich und erhaben.

Keiichiro Shibuya spielt anschließend Klavier. Experimentelles tönt zerhackt, hektisch, widerborstig, Tempo und Anschlag wechseln abrupt. Und warum eine Stimme hineinnehmen, die alles zerbläst, einen schnöden Text aufsagt und von der Musik ablenkt? Die nächste Komposition ist gefühlig, zart, lyrisch, bringt aber auch Raserei und Aufwallung.

Beim dritten Stück wähnt man sich in einer Mondschein-Träumerei, elegischer Wohlklang, der auch die schönheitssuchende Sitznachbarin zufriedenstellt. Besonderen Reiz gewinnt die Sache, weil zusätzliche Elektronik einen Nachhall wie in einer Kathedrale generiert.

Dann treten Gudnadottir und Shibuya gemeinsam an, Cello und Flügel passen wunderbar zueinander. Der Tastenmann setzt farbige Tupfer auf flächigen Saitenklang. Kann man sehr mit einverstanden sein. IMG_1468.JPG IMG_1472.JPG

 

 

Das domicil war an beiden Tagen mehr für die Wilden reserviert. Am Montag hinterließ der Brite Paul Prudence mit "syNTH" den stärksten Eindruck. Sound and Vision! Wir sehen die technische Skizze einer Maschine, vielleicht ein Generator, weiße Linien auf schwarzem Grund.

Ein Kreisel dreht sich schnell und schneller, Schwungscheiben rotieren in rasendem Tempo. Der Puls der Maschine, Beschleunigung und Umdrehung, füllt den Saal mit voller Lautstärke. Was für eine Wucht! Faszinierend anzuschauen und ein prickelndes Hörerlebnis. Bild und Ton in absoluter Synchronizität. Starke Arbeit, 15, 20 Minuten lang.

Dienstag standen drei Finnen auf der Bühne, die Maschinenmusik auf Küchen- und Haushaltgeräten machen. Sie basteln und schrauben, bis Motoren und Generatoren Instrumente sind. Selbstgebaute Sequenzer sind nur ein Teil ihres Arsenals, aus dem sie einen Sound mit hohem Erregungspegel kitzeln. Eine furchteinflößende Kakophonie aus Basskanonade und Paniklauten. Nicht schön, aber schön schrecklich.

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Und dann darf endlich mal getanzt werden. Musik, die den Namen verdient, mit einem organischen Rhythmus, der dem Körper dient und nicht der allgemeinen Verunsicherung: Infinite Livez nennt sich der MC aus London. Ha, ein Schwarzer: Wussten die nicht immer, was ein Groove ist?

Und was eine gute Show? Der Bursche trägt Afroperücke, Plastik-Sonnenbrille, grellbunte Klamotten, die ihn wie einen aus der crazy SciFi-Funktruppe von George Clinton aussehen lassen. Cooool.

 

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Er legt eine Art Experimental-HipHop vor. Man hört Samples von Old School-Scheiben der 80er Jahre, dazu ein Maunzen von Soulgesang, warme, kuschelige Synthieflächen. Gelegentlich rappt der Paradiesvogel, "Hardcore" kommt häufiger vor. Was er sagt, ist wurscht, der Flow stimmt, die ersten beginnen zu tanzen. Eine Wohltat nach all den Trommelfellquälern.

Infinite Livez zappelt über den Delays und seinem Mischpult, fingerfertig bedient er Knöpfe und Regler. Humor scheint er auch zu haben, was man von den wenigsten seiner Kollegen sagen kann: Kurz vor Ende seiner Show scheint er einen weiblichen Orgasmus digital zerlegt und geloopt zu haben, so clever, dass es nicht anstößig und nicht nach Porno klingt. Nur nach einem frohen Glucksen. Die Lacher sind ihm sicher.

Am 28. und 29. verlagert sich die ISEA mit Masse nach Duisburg. Sigrun Appelt erleuchtet bei Sonnenuntergang die Mühlenweide in Ruhrort (Samstag), um 20.30 Uhr spielt Charlemagne Palestine ein Orgelkonzert in der St. Maximilian-Kirche.

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25.08.2010

P50 V2 Test_Lab: SummerSessions 2010

von energiekulturruhr-team

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Vier internationale Künstler performen ihre neuen künstlerischen Positionen

Ein weiteres Highlight des weltweit renommiertesten Festivals für elektronische und digitale Kunst ISEA2010 Ruhr wird am Freitag, 27. August ab 15 Uhr in der Galerie des RWE Towers Dortmund zu erleben sein: P50 V2 Test_Lab SummerSessions 2010. Jeden Sommer bietet das V2_Institute for the Unstable Media internationalen Künstlern einen kurzen Artist in Residence-Aufenthalt in Rotterdam an, um die technische und kuratorische Umsetzung ihrer elektronischen Kunst zu realisieren. Die kreative Schaffenszeit schließt mit einer Präsentation der Arbeiten, den sogenannten SummerSessions.

Die diesjährigen SummerSessions begrüßen die Künstler Anouk Wipprecht, Joachim Rotteveel, Mark Shepard und Ivan Henriques. Die Projekte stehen thematisch im Zusammenhang mit den Schlagworten der „erweiterten Realität“, der „mobilen Technologien“ und der „Ökologie“  - die drei zentralen Forschungsthemen des V2_Lab. Typisch für das V2_ Test_Lab Format ist die Live-Performance der künstlerischen Arbeiten vor Publikum. Die Besucher sind hautnah dabei und dürfen im Anschluss gerne ihre Meinung kundtun.
Es wird also sehr spannend …
Zu sehen sind:

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Anouk Wipprecht (NL) ist Modedesignerin. Sie ist fasziniert von der Idee, dass mit einem  Kleidungsstück sowohl eine physische als auch psychologische Beziehung eingegangen werden kann.

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Der ebenfalls aus den Niederlanden stammende Joachim Rotteveel beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit technowissenschaftlichen Innovationen. Deren Methoden nutzt er, um Ideen zeitgenössischer Kultur zu präsentieren.

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Das Kunstverständnis des US-amerikanischen Künstlers, Architekten und Forschers Mark Shepard ist post-disziplinär. Die main aspects seiner Arbeiten liegen in der Erforschung neuer sozialer Räume und in der strukturellen Untersuchung von kulturellen Netzwerken.

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Der Brasilianer Ivan Henriques untersucht in seinen Werken verschiedene Wahrnehmungen von Zeit, Gedächtnis und Umgebung mithilfe unterschiedlicher Medien (Multimedia, standortspezifische Installationen). Eingeführt werden die SummerSessions von dem Leiter des V_2 Boris Debackere (B) und von dem Kuratoren Michel van Dartel (NL).
Einführung und Perfomance werden in englischer Sprache stattfinden.
Weitere Informationen zur ISEA2010 Ruhr unter:
http://www.isea2010ruhr.org/

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24.08.2010

Szenen einer Sammlungsreise

von frank vinken

Wenn eine Idee verdient hat, mit dem Strom der Kulturhauptstadtprojekte an das Ufer der festen Institutionen getragen und dort verankert zu werden, dann sind es die Sammlungsreisen zu den Ruhr Kunst Museen. Die Tour 2 - Jetzt neu (1) - führt vom Museum Folkwang über das Kunstquartier Hagen zum 2009 eröffneten Museum DKM in Duisburg. Wir waren dabei.

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Zeitlich und thematisch in der Mitte des Reisegeprächs Ost/West. Die Brunnenhalle im Museum Osthaus in Hagen

Bereits vor dem Rundgang durchs Museum Folkwang hat das Reisegespräch auf der Ost-West-Route einen Hauch von Klassenfahrt. Erste Instruktionen. "Bitte zügig mitkommen", mahnt die Reiseleitung höflich aber bestimmt. Vier Museen in sechs Stunden - inklusive Fahrzeit - verlangen einen straffen Zeitplan. Der kurze Rundgang durch die Sammlung nach '45 mit den amerikanischen Abstrakten Rothko, Pollock und Stella hat etwas von schnellem Vorlauf. Den kurzen Eindruck der bitterbösen Utopien aus dem Atelier van Lieshout nimmt die Gruppe mit in den Bus. Dort werden auf der Fahrt nach Hagen Lunchpakete geplündert und erste Fragen gestellt.

Auf die ist Reisegesprächsleiterin Anita Hachmann bestens vorbereitet. "Wer vergleichen kann, sieht mehr", sagt die Kunsthistorikerin und präsentiert ihren Collection-Touristen 20 Minuten vor dem Zwischenziel ein schnelles "Alles über Folkwang-Gründer Karl Ernst Osthaus" und das neue Emil Schumacher Museum im Kunstquartier Hagen. Im Bus steigt der Geräuschpegel. Die Gespräche werden intensiver. Nach dem Rundgang vom Jugendstil der Folkwang-Keimzelle und seinem knarzendem Parkett zum Schumacher-Neubau mit thermischer Betonkernaktivierung und Solaranlage ist die erste und einzige große Pause der sechs-Stunden-Tour fällig. Das Museumsrestaurant gibt sich sachlich und mit seiner gut sortierten Mineralwasserkarte ausgesprochen weltoffen.

Auf der anschließenden Fahrt nach Westen werden die Fragen schon spezieller. Neugier und frisch gestillter Wissensdurst lassen die knappe Stunde Busfahrt über die (am Samstag) staulose A40 zur Kleinigkeit schrumpfen. "In Berlin ist das doch auch keine Entfernung." Schließlich Duisburg und das neue Museum DKM in komplett privater Trägerschaft. Das Haus verdankt seinen Namen den Initialen der Sammler Dirk Krämer und Klaus Maas und bildet nach Folkwang in Essen und Hagen den Höhepunkt der Reise zur Kunst. Die knappe Stunde auf Schnupperkurs verfliegt wie nichts. Das DKM hat die Qualität zur Kultstätte und beweist, wie sich eine beliebig-bausündige Gewerbe-Immobilie mit asiatischem Sinn fürs Wesentliche zum meditativen Juwel umarbeiten läss. Wirklich beeindruckend und als Höhepunkt der Collection Tour sehr gut ausgewählt.

Wer nun selber auf Sammlungsreise gehen möchte, findet alle nötigen Daten für die höchst empfehlenswerten Collection Tours bis zum Jahresende auf der Ruhr Kunst Museen-Seite im Netz und an dieser Stelle die Bilder unserer Reise von West nach Ost und wieder zurück:

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Folkwang-Einführung am Modell

Joep van Lieshouts "Hanging Men"

Der Minne-Brunnen im Osthaus Museum in Hagen . . .

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. . . die Deutschen Expressionisten in der ersten Etage

Das neue Emil Schumacher Museum . . .

. . . der Blick in die Ausstellung

. . . das Museumsquartier mit Tourbus

Das Museum DKM in Duisburg

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Mit asiatischem Sinn für das Wesentliche . . .

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. . . von der ungenutzten Gewerbe-Immobilie zum meditativen Museums-Juwel: Objekte von Jai Young Park im umgebauten Hof. Fotos: Frank Vinken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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