Die Zeche als Attraktion: Fotos von Bernd und Hilla Becher
Lässt sich ein Bauwerk als reine Architektur wahrnehmen? Ist ein Gebäude nur Form oder stets auch Funktion? Fragen wie diese könnten sich Besucher einer Ausstellung mit Fotografien von Bernd und Hilla Becher stellen. Das Ehepaar hat vierzig Jahre lang Industriebauten dokumentiert. Vom 7. Februar bis 2. Mai 2010 sind die Arbeiten im Josef Albers Museum in Bottrop zu sehen.

Die Zeche Hannibal im Jahr 1973: Wie eine Festung thront das Bergwerk über Bochum-Hofstede. Zu seinen Füßen wirken Häuser und Kleingärten wie geduckt. Das Fotografenpaar Becher scheint diesen Kontrast bewusst anzustreben. Der Förderturm der Zeche bezieht daraus jene Wucht, die der pompöse Name „Hannibal“ suggeriert. Ein Jahr nach dieser Aufnahme wurde das Wahrzeichen von Hofstede abgerissen.
Die Komposition ist es, die solche Assoziationen weckt. Bernd und Hilla Becher haben Industriebauten als Architektur ernst genommen und als integralen Bestandteil der Landschaft interpretiert. Schon in den 60er Jahren verstanden die beiden Fotografen: An der Ruhr sind Stahlwerke, Zechen und Schlote das, was an der französischen Loire Schlösser und was in Thüringen Burgen sind. Sie prägen die Identität einer Region.
Neben vielen Einzelbildern sind über die Jahre umfassende Projekte entstanden, die Industrieanlagen in ihrer Gesamtheit vorstellen. Darunter befinden sich Zechenanlagen wie Zollern II in Dortmund und Concordia in Oberhausen oder das Thyssen-Stahlwerk in Duisburg.
Die Bechers haben jedoch nicht nur die Industrieanlagen des Ruhrgebiets fotografiert. Die Ausstellung im Josef Albers Museum präsentiert auch Bilder, die in Frankreich, Belgien, Großbritannien und den USA entstanden sind. Das ermöglicht es dem Besucher zu vergleichen und Gemeinsamkeiten zu entdecken. Die scheinbar rein funktionale Architektur des Industriebaus verfügt über eine eigene komplexe Sprache.















