Aus der Froschperspektive
Gleich zwei Inseln lassen Kazuo Katase und Professor Michael Wilkens für das Ruhr-Atoll zu Wasser. Die beiden floßähnlichen Gebilde stehen für Geist und Natur. Das eine trägt ein Teehaus, das andere einen Garten. Verbunden sind sie durch eine Brücke.
Das Projekt ist ein west-östlicher Dialog über das Wohnen auf unserem Planeten. Es fasst in einem stillen Bild auf dem Wasser die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen zusammen: Thematisiert wird dies mit einem japanisch anmutenden Teehaus (ein Ort der inneren Einkehr) mit seiner großen Schale (ein Urbild für die Gegenwart des Menschen) und einem Gemüsegarten hinterm Haus, einer schon fast vergessenen Selbstverständlichkeit gerade im Ruhrgebiet.
Kazuo Katase aktualisiert hier sein Projekt "Apokalypse Amazonas" von 1992 für die Ausstellung "Arte Amazonas" in Rio de Janeiro, anlässlich des UN-Erdgipfels. Hier wird diese Arbeit über Mensch und Natur im Inseldialog "Frosch und Teemeister" fortgeführt, einem Inselprojekt, welches von menschlicher und von der Fossilenergie dieser Region, aber auch von Zukünftigem erzählt.
2004 lud Kazuo Katase den Architekten und "Baufrosch" Michael Wilkens ein, mit ihm diesen Dialog zu führen. Denn die "Baufrösche" beschäftigen sich seit ihrer Gründung 1978 mit einem Wohnungsbau "aus der Froschperspektive": und dem, was sie "Vollständiges Wohnen" nennen: "Jede Wohnung, auch die im 5. Stock, ist ohne einen kleinen Garten (und eine Möglichkeit zum Werkeln außerhalb der Wohnung) unvollständig. Und die Karotten müssen nicht um den halben Globus transportiert werden." Wilkens setzt sich für eine urbane Landwirtschaft und die Ermöglichung kollektiver (interkultureller) Gärten ein.
Zwei 10x10m große Pontons sind durch einen Steg verbunden. Der eine trägt das Teehaus und die große Schale, auf dem anderen ist ein Garten mit 10 Gemüsebeeten angelegt. Eine solar angetriebene Wasserpumpe füllt einen Wassertank, der auf einem Förderturm im Zentrum des Teehauses platziert ist. Dieser Schwerkrafttank versorgt die 10 Gemüsebeete mit Wasser. Das Überflusswasser fließt über das Dach in eine Regenrinne, dann in die große Schale und von dort in den See zurück.
Der Künstler:
- Kazuo Katase 1947 in Shizuoka, Japan, geboren.
- Bildender Künstler.
- Lebt und arbeitet seit 1976 in Kassel.
- Studium der experimentellen Fotografie und freien Kunst an der Gh-Kassel.
- Zahlreiche nationale u. internationale Einzelausstellungen u. Gruppenausstellungen: 2009 Museum Wiesbaden, Otto Ritschl Preis; 1992 documenta 9, Kassel.
- Seit 1987 Realisierungen von Projekten mit Architektur und öffentlichem Raum: 2001-04 "Lichtgestalt", Cité internationale, Jardin Public Aval (Latz + Partner) Ausführungsentwurf der Cité: Renzo Piano, Lyon; 2007-08 "Der Entwurf", Kurt-Blaum-Platz, Hanau. 1997 erstes Bühnenbild: Staatstheater Kassel, documenta X spezial: Die Legende vom armen Heinrich.
- Aktuelle Monographie: Raum eines Raumes Die Allegorie der Photographie: Hrg. Museum Wiesbaden, 2009
Der Wissenschaftler:
- Prof. Michael Wilkens 1935 in Wilhelmshaven geboren.
- Architekt (Baufrösche). Lebt und arbeitet in Kassel.
- Lehrte 1974-2000 an der Universität Kassel im Fachbereich Architektur und gründete 1978 die Gruppe "Baufrösche", die sich international im Wohnungs- und Städtebau einen Namen gemacht hat.
- Seit 1989 Kooperation mit der Universität in Sta.Clara (Kuba).
- 2005 Gründung der "Mach-was-Stiftung", die sich für die Nachrüstung Kasseler Großsiedlungen mit nachbarschaftlichen Kreativflächen und -räumen einsetzt.
- Zwei Bücher: Basel, Berlin, Boston 2000: Architektur als Komposition; Kassel 2004: Am schönsten sind nach alledem die Entwürfe des Esels.















